Es war einmal, mitten im hohen Gras eines glitzernden Gartens, ein winziger Waldgeist namens Barnaby. Barnaby war kaum größer als ein dicker Daumen, hatte Haare so weich wie grünes Moos und Flügel, die genau wie Blätter aussahen. Flapp-flapp! machten seine Flügel, wenn er morgens den Morgentau von den Grashalmen schüttelte. Barnaby war ein sehr glücklicher kleiner Kerl, doch an einem Morgen sah er etwas, das ihn ganz traurig machte.
In der hinteren Ecke des Gartens, dem „Schlummereck“, hingen die Köpfe der Gänseblümchen ganz tief nach unten. Sie waren grau statt weiß und sahen schrecklich müde aus. „Oh weh“, flüsterte Barnaby und zupfte an seiner Hose aus Silberfaden-Gras. Er versuchte, die Blätter der Blumen mit seinen kleinen Händen hochzudrücken. „Aufstehen, ihr Lieben!“, rief er. Aber die Blumen blieben schlapp. Puff! – Barnaby plumpste enttäuscht ins Gras. Er fühlte sich plötzlich so klein wie ein Staubkorn. Kannst du dich auch manchmal so klein fühlen?
Plötzlich wehte ein kalter, grummeliger Nordwind durch den Garten. Huuuuuuuu! machte der Wind. Den Gänseblümchen wurde ganz kalt und sie zitterten. Barnaby hatte auch ein bisschen Angst vor dem großen Pustewind. Doch dann passierte etwas Seltsames. Um sich selbst Mut zu machen, fing Barnaby an, leise vor sich hin zu summen. „Summ-summ, brummel-bumm.“ Das Summen fühlte sich in seinem Bauch ganz warm an, wie eine kleine Sonne. Er merkte: Wenn er Angst hatte, half es, ein Lied im Herzen zu tragen.
Barnaby sprang auf seine kleinen Stiefelchen aus Schlangenleder und fing an zu tanzen. Erst ganz vorsichtig, dann immer wilder! Tipp-tapp, zick-zack! Seine smaragdgrünen Flügel schlugen im Takt. Er hüpfte über einen Kieselstein, drehte sich im Kreis und sang so laut er konnte: „Wackel mit dem Popo, schüttle den Staub, tanz mit den Beinen und klatsch mit dem Laub!“ Er wirbelte so viel Freude auf, dass sogar eine kleine Marienkäfer-Dame namens Punkt neugierig guckte. Kannst du auch so wackeln wie Barnaby?
Und wie durch Zauberei geschah es: Das graue Schlummereck fing an zu leuchten! Ein Gänseblümchen kicherte leise. Ein anderes streckte seine weißen Blütenblätter ganz weit nach oben, so wie wenn du dich morgens im Bett gähnt und streckt. Hach! Die Pflanzen saugten Barnabys Lied und seinen fröhlichen Tanz auf wie frisches Wasser. Die Kälte des Windes war vergessen, weil Barnabys Herz so hell strahlte.
Bald war die ganze Ecke im Garten wieder kunterbunt und voller Leben. Barnaby setzte sich erschöpft, aber glücklich in seine Hängematte aus Dandelion-Stielen. Er hatte gelernt, dass man kein Riese sein muss, um die Welt zu retten. Manchmal reicht schon ein mutiges Lied und ein kleiner Wackeltanz. Und während die Sonne langsam unterging, flüsterte der ganze Garten leise: „Danke, kleiner Barnaby.“ Und so wurde alles am Ende genau richtig.