Hoch oben im Wolkenschloss hielt Pip ihre kleine Messinglaterne fest umklammert. „Schaut mal!“, rief die Maus und zeigte Rex und Ryu das warme Leuchten. „Dieses Licht sorgt dafür, dass die Wolken unter unseren Füßen fest bleiben.“ Rex wackelte mit seinem großen Schwanz, während Ryu sein blaues Haar aus dem Gesicht strich. Doch plötzlich fegte ein eisiger Windstoß über die Zinnen. Ein dunkler Schatten stürzte herab und riss Pip die Laterne einfach aus den Pfoten!
„Mein Licht!“, piepste Pip. Hoch oben auf dem Turm saß König Krah, der gierige Rabenkönig, und hielt die Laterne fest. Ohne den hellen Schein passierte etwas Furchtbares: Die Wolken wurden weich wie Watte. Rex spürte, wie seine schweren roten Turnschuhe im Boden versanken. „Das Licht wird schwach, die Wolken werden flach“, brummte er. Der Boden verwandelte sich in Nebel und Rex drohte tief zu fallen. Ryu wusste, dass er jetzt sofort handeln musste.
Ryu hob seine Hände, und die silbernen Wolken auf seinem Gewand leuchteten hell auf. „Haltet euch fest!“, rief er. Mit einem Zauberspruch hüllte er seine Freunde in blaues Licht. Genau als der Boden verschwand, begannen sie zu schweben. Gemeinsam sausten sie durch die Luft zur Terrasse des Rabenkönigs. Doch als sie landeten, schlüpfte König Krah flink in einen schmalen Felsspalt. Rex und Ryu waren viel zu groß, um dem Dieb dorthin zu folgen.
Pip zögerte nicht. Die tapfere Maus in ihrem Nachthemd krabbelte mutig in den dunklen Gang. Drinnen versuchte König Krah, die Laterne unter seinen Flügeln zu verstecken. „Gib sie zurück!“, forderte Pip. Der Rabe lachte nur heiser, doch Pip hatte eine Idee. Sie huschte vor und kitzelte den König mit ihren Schnurrhaaren an den Krallen. König Krah musste so laut prusten, dass ihm die Laterne aus den Pfoten rutschte und direkt durch ein schweres Eisengitter fiel.
„Hilfe, sie steckt fest!“, rief Pip. Das Gitter war viel zu schwer für eine kleine Maus. Aber zum Glück war Rex zur Stelle. Mit seinen starken Armen packte der Dinosaurier die Eisenstäbe und hob sie mit einem gewaltigen Ruck hoch. Jetzt war Ryu dran. Er konzentrierte sich, bis die Marke auf seiner Stirn leuchtete, und schickte eine sanfte Windböe hinab. Die Laterne schwebte wie von Geisterhand nach oben, direkt in Pips wartende Hände.
Sobald Pip die Laterne wieder fest hielt, geschah ein Wunder. Das goldene Licht strahlte hell auf. Augenblicklich wurden die weichen Nebelwolken unter ihren Füßen wieder fest und sicher. König Krah sah ein, dass er gegen die drei Freunde keine Chance hatte. Mit einem beleidigten Krächzen flog er davon. Rex, Pip und Ryu standen auf der Zinne und sahen zu, wie die Sonne den Himmel in pures Gold und warmes Orange tauchte.
Nach all der Aufregung ließen sich die drei Freunde auf einer gemütlichen Wolkenbank nieder. Rex holte Leckereien aus seiner Tasche, und sie teilten sich einen gemütlichen Abendimbiss. Die kleine Laterne stand sicher zwischen ihnen und verbreitete einen behaglichen Schein. Über ihnen funkelten die ersten Sterne am Nachthimmel. Es war still und friedlich im Wolkenschloss. Pip kuschelte sich an Rex, während Ryu leise ein Lied summte. Alles war wieder gut.