Zog und Viu waren heute besonders stolz. Gemeinsam balancierten sie einen glänzenden, roten Apfel durch den Schulpark. Er war ein Geschenk für ihre Lehrerin. Zog, der grüne Drache, tippelte vorsichtig mit seinen großen Tatzen, während Viu, der kleine Krankenwagen, langsam neben ihm herrollte. Doch plötzlich fegte ein frecher Windstoß durch den Park. Er packte Zogs winzige, rosa-goldene Flügel und brachte den Drachen aus dem Gleichgewicht. Zog stolperte, und der Apfel begann schnell wegzukullern.
„Oh nein, bleib stehen!“, rief Viu und schaltete sofort ihr Blaulicht ein. Der Apfel dachte gar nicht daran aufzuhören. Er hüpfte über eine Parkbank, schlitterte über einen Kieselweg und nahm immer mehr Fahrt auf. Zog und Viu rannten so schnell sie konnten hinterher, doch der rote Ausreißer steuerte direkt auf den Abgrund der Schnarch-Schlucht zu. Mit einem letzten, übermütigen Satz verschwand der Apfel über der felsigen Kante und stürzte in die neblige Tiefe.
Die beiden Freunde blieben keuchend am Rand stehen und spähten vorsichtig hinunter. Weit unten, auf einem zittrigen, dünnen Ast, war der Apfel hängengeblieben. „Viu, du bist zu schwer für den steilen Hang“, stellte Zog traurig fest. „Und meine kleinen Flügel tragen mich niemals mit einem schweren Apfel wieder hoch.“ Sie sahen sich ratlos an. Aufgeben kam nicht in Frage, aber wie sollten sie das Geschenk retten? Da hatte Zog eine mutige Idee.
„Ich könnte mich an meinem Schwanz abseilen“, schlug Zog vor, aber seine Stimme zitterte ein wenig. Er wusste genau, dass sein langer, grüner Schwanz zwar stark, aber auch furchtbar kitzlig war. Viu lächelte aufmunternd mit ihrer Stoßstange. „Keine Sorge, Zog. Ich halte dich fest.“ Sie schaltete ihre sanft leuchtende, blaue Sirene ein. Das ruhige Licht half Zog, tief durchzuatmen. Viu versprach, seine Vorderpfoten ganz fest zu greifen, damit er nicht abrutschen konnte.
Viu krallte ihre Reifen tief in den weichen Waldboden, bis sie fest wie ein Anker stand. Zog legte seine Pfoten in ihre sicheren Griffe. Ganz langsam und vorsichtig ließ er seinen langen, kräftigen Drachenschwanz über die Felswand in die dunkle Schlucht hinuntergleiten. Er tastete sich Zentimeter für Zentimeter voran, immer dem roten Leuchten des Apfels entgegen. Doch plötzlich spürte er ein merkwürdiges Zupfen an seiner Schwanzspitze. Ein freches Berg-Hörnchen namens Kiesel-Kalle hatte den Schwanz entdeckt.
Kiesel-Kalle dachte, der grüne Schwanz sei ein wunderbares neues Kletterseil. Er sprang mit einem Satz darauf und fing an, wild hin und her zu schaukeln. „Hör auf, Kalle! Das kitzelt!“, prustete Zog. Viu hielt seine Pfoten eisern fest, damit er nicht vor Lachen in die Tiefe rutschte. Mit zusammengekniffenen Augen und aller Drachenkraft blieb Zog ganz starr. Schließlich gelang es ihm, die Spitze seines Schwanzes sicher um den kleinen Stiel des Apfels zu wickeln.
„Ich hab ihn!“, rief Zog nach oben. Viu legte sofort den Rückwärtsgang ein. Ihre Motoren brummten vor Anstrengung, während sie Zog und die wertvolle Fracht langsam nach oben zog. Kiesel-Kalle saß oben am Rand und feuerte sie aufgeregt an. Gemeinsam riefen sie im Rhythmus: „Hau-ruck, Rad-Zuck, hoch kommt der Apfel-Schmuck! Hau-ruck, Rad-Zuck, hoch kommt der Apfel-Schmuck!“ Endlich war der Apfel wieder auf festem Boden, doch er sah nach dem Sturz ziemlich schmutzig aus.
Viu zögerte nicht lange. Sie benutzte ihr Scheibenwischwasser, um den Apfel ordentlich abzuspritzen, und polierte ihn mit einem weichen Tuch, bis er heller glänzte als zuvor. Stolz marschierten sie zur Schule und öffneten die Tür zum Klassenzimmer. Als die Lehrerin den wunderschönen Apfel auf ihrem Tisch sah, strahlte sie über das ganze Gesicht. Zog und Viu saßen dicht nebeneinander und beobachteten glücklich, wie ihr Geschenk im Sonnenlicht funkelte. Alles war wieder gut.